Wetterstatistik

Rückblick auf das Wetter im November 2019 in München

Der November 2019 war in München bedingt durch meridionale Strömungseffekte trotz häufiger Tiefdruckprägung ausgesprochen windschwach und zu trocken. Die Temperaturen präsentierten sich überdurchschnittlich, der Sonnenschein weit unterdurchschnittlich. Außer bei den Parametern Sonnenschein und Luftdruck bestanden in Summe zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem Vergleichsmonat des Vorjahres (insbesondere bei Mitteltemperatur, Bewölkungsverhältnissen, Niederschlagssumme und dem Fehlen von Herbststürmen).

Kurzcharakteristik der Wetterlage:

An den ersten vier Tagen des Monats befand sich ein Zentraltief über den Britischen Inseln und der Schwerpunkt hohen Luftdruckes über Ost- und Südosteuropa. Diese Lage veränderte sich zwischen 5. und 7. (nur) insoweit, als daß westlich der Britischen Inseln nun ein Hoch lag, wodurch Kaltluft von Norden über dem Atlantik südwärts geführt wurde und sich über Mitteleuropa ein ganzer Tiefdruckkomplex entwickelte, auf dessen Ostseite Warmluft nordwärts geführt wurde. Mit meist südwestlicher Luftströmung erreichte uns milde Meeresluft. Tiefdruckfronten zogen vergleichsweise weit südlich und waren zudem über dem Süden Bayerns nur schwach ausgeprägt. Am 8. stellte sich eine Tiefdruckzone, die von Südskandinavien bis ins zentrale Mittelmeer reichte, ein. Dabei erreichte (auch) uns ein Schwall Kaltluft polaren Ursprungs. Der Süden der Schweiz erhielt hierbei, bedingt durch alpine Staueffekte, bis zu 50 cm Neuschnee. Nach vorübergehendem Hochdruckeinfluß am 10. bestimmte ein regelrechter "Tiefdrucksumpf", der sich zeitlich über die ganze Mitteldekade und räumlich über weite Teile Europas erstreckte, das Geschehen. Umrahmt wurde das Ganze einerseits von einem Atlantikhoch (mit einem Kerndruck von bis zu 1037 HPa), andererseits von einem Kontinentalhoch (mit Zentrum über dem Osten Skandinaviens und dem Nordwesten Rußlands, dessen Kerndruck teilweise 1050 HPa erreichte). Dabei wurde im gesamten Mittelmeerraum eine rege Schauer- und Gewittertätigkeit ausgelöst (mit massiver Kaltluftzufuhr über Spanien, Portugal, Frankreich, äußerstem Westen Deutschlands), aber auch eine markante Föhnlage, die am 15. am unmittelbaren Nordalpenrand (neben hohen Temperaturen) auch für Sturmschäden sorgte (zahlreiche umgestürzte Bäume in Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Reutte/Tirol). Diese, insgesamt recht gradientschwache, Wetterlage setzte sich auch zu Beginn der dritten Monatsdekade noch fort, wobei kalte Luft bis nach Algerien vordringen konnte (dort Schneefall in Lagen über 1000m Höhe!). Ab dem 22. lagen mehrere Tiefs mit ihren Zentren über dem Ostatlantik, dem Norden Spaniens und dem Westen Frankreichs (Kerndruck zeitweise bei 965 HPa), sowie ein Hoch über Rußland (Kerndruck bis 1046 HPa). Während über dem Norden Italiens punktuell bis zu 300 mm Regen (Tagesmenge!) fielen, stellte sich in den Alpen erneut eine Föhnlage ein. Ein Tief verlagerte sich zwischen 25. und 29. nördlich von uns von den Britischen Inseln über die Nordsee nach Skandinavien, während das im Osten liegende Hoch unter Abschwächung weiter nach Osten abzog. Nach einer Kaltfrontpassage am 29. bestimmte am 30. ein Zwischenhoch mit mäßig kalter, trockener Luft unser Wetter.

Temperaturverhältnisse:

Mit +6,0 Grad C errechnet sich eine um ein Grad zu hohe Monatsmitteltemperatur (Dekadenwerte: +7,7 / +4,1 / +6,3 Grad C).

Wärmster Tag des Monats war der 2. mit einer Mitteltemperatur von +13 Grad C, dieser Tag wies auch das absolute Tagestemperaturmaximum mit +18 Grad C auf. Das höchste Tagesminimum (voraus gingen jeweils auch die mildesten Nächte des Monats) hatten der 2. und der 4. mit jeweils +9 Grad C. Immerhin noch zwölf Tage (1. mit 4., 6., 7., 18., 23., 24., 26. mit 28.) hatten Tageshöchsttemperaturen von +10 Grad C und mehr, jedoch nur noch zwei davon (2. und 4.) brachten es hierbei auf +15 Grad C und mehr.

Kältester Tag des Monats war (neben dem ähnlich temperierten 11.) der 10. mit einer Tagesmitteltemperatur von +1 Grad C, dieser Tag hatte mit +2 Grad C auch den niedrigsten Tageshöchstwert. Das absolute Temperaturminimum des Monats wurde mit -1 Grad C am 11. und 14. gemessen, dies waren zugleich die beiden Frosttage dieses Monats. Am 10. lag die Tagestiefsttemperatur genau bei 0 Grad C.

Sonnenschein:

Anstelle der normalen 74 gab es heuer eine Monatssumme von recht bescheidenen 49 Sonnenstunden (Dekadenwerte: 17 - 20 - 12 Stunden). Hierbei blieben acht Tage (8., 10., 12., 13., 16., 20., 21. und 25.) gänzlich ohne Sonnenschein, dazu wurden uns am 1., 3. und 17. an (weiteren) drei Tagen auch nur wenige Minuten Sonne zuteil. Nur an vier Tagen (4., 7., 14. und 18.) reichte es noch für mindestens fünf Stunden Sonne, hierbei brachte der 18. mit 7,5 Sonnenstunden das diesbezügliche Maximum.

Bewölkung:

Der durchschnittliche Bewölkungsgrad belief sich (anstelle von 6,1) auf 5,7 Achtel (Dekadenwerte 5,3 - 5,7 - 6,0 Achtel). 13 vorherrschend trüben Tagen (1., 3., 8., 10., 11., 16., 17., 21., 22., 24., 25., 27. und 29., davon gänzlich bedeckt am 8., 12., 21. und 25.) steht kein einziger durchweg heiterer Tag gegenüber, bei an vielen Tagen stark wechselnden Bewölkungsverhältnissen wies kein einziger Tag im Mittel weniger, als vier Achtel auf.

Niederschläge:

Statt an normalen 15 gab es an 16 Tagen Niederschläge. Diese fielen stets als Regen, welcher am Nachmittag des 4. in Form mehrerer kurzer Schauer niederging. Mit einer Monatsmenge von 27 mm (normal 61 mm) war es deutlich zu trocken, das Tagesmaximum des Niederschlages lag bei lediglich vier mm (jeweils am 5., 13. und 29.), während längste Trockenphase (18. mit 25.) acht Tage dauerte. Auch zwischen 26. und 29., sowie am 6., 7., 10. und 14. war es niederschlagsfrei.

Schneelage:

Im November 2019 diesbezüglich "Fehlanzeige" in München.

Gewittertätigkeit:

Im November 2019 war in München kein Gewitter zu verzeichnen. Das Gewitter am 4. gegen 17 Uhr, ein deutliches Stück nord-nordöstlich von München entfernt, kam uns noch am nächsten.

Luftdruck:

Die höchsten Werte des Luftdruckes wurden mit 1020 HPa am 19. und 20., mit 1021 HPa am 29., mit 1022 HPa am 1., sowie mit 1025 HPa am 30. als absolutem Monatsmaximum erreicht. Die niedrigsten diesbezüglichen Werte hatten wir am 5. mit 999 HPa, am 2. und 23. mit 998 HPa, am 15. mit 996 HPa, am 4. mit 994 HPa, sowie am 3. mit 987 HPa als Monatsminimum. Der stärkste (und zahlenmäßig durchaus beachtliche) Luftdruckfall erfolgte gleich zu Monatsbeginn, ausgehend von 1022 HPa am 1. auf 987 HPa am 3., während der deutlichste Luftdruckanstieg zum Monatsende, ausgehend von 1001 HPa am 28. auf 1025 HPa am 30. zu verzeichnen war.

Luftfeuchte:

Die relative Luftfeuchte erreichte an drei Tagen (8., 25. und 26.) volle 100%, wobei am 25. bei einer ganztags anhaltenden Nebel- und Inversionslage kein Einzelwert unter 92% lag. Die niedrigsten Einzelwerte gab es mit 47% am 23., mit 46% am 4. und 18., sowie mit 44% am 30. (als mäßig kalte, sehr trockene, Luft unter Zwischenhocheinfluß geriet) als diesbezüglichem Monatsminimum.

Wind:

Der Wind frischte nur an sieben Tagen (3., 4., 5., 15., 18., 28. und 29.) stärker auf, wobei von (Herbst-)Stürmen hier nichts zu sehen, bzw. zu fühlen war (noch nicht einmal einzelne Böen erreichten Sturmstärke). Die Windrichtungen: Ost-Südost am 1., Süd-Südwest von 2. mit 7., West am 8. und 9., variabler Wind am 10. und 11., sowie von 15. bis 17., SO-SW-Wind zwischen 12. und 14., Südwestwind am 18. und 19. (an diesem Tag Winddrehung über Nord auf Ost), gefolgt von Ostwind am 20., 22. und 23., sowie umlaufendem Wind am 21., 24., 25. und 26., Südwestwind gab es erneut vom 27. bis zum 29., an welchem der Wind in Zusammenhang mit einem Kaltfrontdurchgang auf Nordwest drehte. Ein Zwischenhoch brachte am 30. eine Winddrehung auf Ost.

Sonstige Beobachtungen:

Sieben Tage (1., 10., 22. mit 25. und 27.) brachten nennenswerte Inversionen. Am 25. hielt diese Wettersituation ganztags an. Sehr ausgeprägt war sie auch am 23. um 7 Uhr früh (München +1 Grad C, Hoher Peißenberg hingegen +10 Grad C). Markante Föhnlagen auf der Alpennordseite am 15., 23. und 24. reichten jeweils nicht bis nach München (wobei am 23. in Oberstdorf die Temperatur mit Föhndurchbruch von -3 auf +17 Grad C anstieg, während auf der Zugspitze Föhnböen mit bis zu 137 km/h Orkanstärke erreichten). Es gab jeweils fünf Tage mit Nebel (1., 8., 21., 25. und 26.) und Hochnebel (9., 10., 11., 16. und 22.). Am frühen Nachmittag des 26. waren mehrfach schwache Nebensonnen, sowie Lichtbögen beobachtbar.

Merkurtransit und "Merkur-Fakten":

Am Nachmittag des 11. fand ein Merkurtransit (Merkur zog über die Sonne hinweg, sogenannte "Mikrosonnenfinsternis") statt. Dieses, allein mit bloßem Auge (im Gegensatz zu einem Venustransit!) schwerlich bis nicht sichtbare Ereignis konnte auch in München gegen 14.30 Uhr für rund 30 Minuten beobachtet werden, als es vorübergehend größere Wolkenlücken und Sonnenschein gab. Wie angenehm doch im Vergleich unser Erdklima ist! Merkur erhält (alle Daten im Vergleich zur Erde) siebenmal mehr Wärmeeinstrahlung durch die Sonne, hat aber nur 1/6 der Albedo (Reflektivität). Merkur weist eine ähnliche Dichte, wie die Erde auf, verfügt jedoch über keine Atmosphäre. Dies führt dort zu einer Schwankungsbreite der Oberflächentemperatur, die von -270 Grad C ("Nachtseite") bis zu +410 Grad C ("Tagseite") reicht!

Markante Wetterereignisse andernorts im November 2019:

- von 5. mit 13., australische Ostküste: Temperaturen nahe +40 Grad C bei 5% relativer Luftfeuchte und Sturmböen bis 80 km/h verstärken dort Trockenheit und Dürre. Insbesondere New South Wales und Queensland meldeten zahlreiche Buschbrände,

- am 6., Europa: Große Temperaturgegensätze! Während über dem Norden Skandinaviens die Tageshöchsttemperaturen nicht über -12 Grad C steigen, herrscht am östlichen Mittelmeer noch Sommer (z.B. +26 Grad C in Athen),

- am 12., Wintereinbruch über Teilen der USA: Chicago meldete mit -13 Grad C den tiefsten Temperaturwert zu diesem Zeitpunkt seit 1986, Buffalo (Bundesstaat New York) mit 25 cm Schnee eine Rekordhöhe für Mitte November,

- am 12. und 13., Venedig: Starke Regenfälle und kräftiger Südostwind vom Meer her lösten schwere Überflutungen in der Lagunenstadt aus. Der Wasserstand erreichte 1,87 m "über Normal". Nur am 04.11.1966 lag dort der Wasserstand (mit 1,94 m "über Normal") noch höher,

- von 14. mit 19., Teile Österreichs, insbesondere Kärnten: Starkniederschläge, die seit Monatsbeginn wiederholt auftraten, sorgten, je nach Höhenlage für Murenabgänge, Lawinen und Überschwemmungen. Dellach an der Drau erhielt allein zwischen 3. und 19. rund 550 mm Niederschlag!

- am 28., Dschibuti/Ostafrika: Ein einziger Tag brachte so viel Regen, wie dort sonst in zwei Jahren (!) fällt. Zudem wurden vom "Horn von Afrika" für die Monate Oktober und November punktuell "300% der normalen Regenmenge" gemeldet (exaktere Zahlen leider nicht verfügbar).

Gez. ©Peter Müller, 23.12.2019

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